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Es wird Zeit über neue Auswechslungs-Regeln im Fußball nachzudenken!

Aktuelle Bundesligaspieler leisten Großartiges. Pro Team legen sie in 90 Minuten nicht selten 120 km zurück. Gleichzeitig schnellt allerdings auch die Zahl der Verletzungen signifikant nach oben. Opfert der moderne Fußball die Gesundheit seiner Spieler dem schönen neuen High-Speed-Fußball?

Vieles spricht dafür. So ist die Zahl der verletzten Erst- und Zweitbundesliga-Fußballspieler im letzten Jahrzehnt laut dem Portal Statista um 400% gestiegen! 2012 gab es mit 1.142 registrierten Verletzungen in den beiden ersten Ligen den bisher traurigen Höchststand. Und auch im Breitensport ist König Fußball die ungeschlagene Nummer eins bei den Sportverletzungen.

Bei Borussia Dortmund verhindert der hohe Krankenstand in dieser Saison ein ernsthaftes Kräftemessen mit dem FC Bayern München. Das aber lässt die Liga langweilig werden. Aus meiner Sicht (also der des Sportphysiotherapeuten Marco Congia) müsste längst seitens der Verantwortlichen gehandelt werden. Andernfalls wird der Wettbewerb verletzungsbedingt immer weiter verzerrt.

Es kann nicht sein, dass die Gesundheit unserer Fußballelite leichtfertig aufs Spiel gesetzt wird. Bei einer Belastung wie sie heute im Spitzenfußball stattfindet kommt es fast zwangsläufig zu muskulären Verletzungen oder zu Sprunggelenk- und Knieverletzungen, wenn der Fußballer erschöpft ist. Die Spielhäufigkeit und die Spielgeschwindigkeit bzw. Intensität machen kürzere Einsatzzeiten und häufigere Auswechlungen dringend notwendig! Die notwendigen Regenerationsphasen fehlen.

Seit rund 150 Jahren wird Fußball gespielt. Aber erst seit 1967 gibt es die Möglichkeit der Auswechslung. Zunächst galt die die Regel, dass ein verletzter Spieler pro Mannschaft ersetzt werden konnte. Seit 1995 sind drei Auswechslungen je Spiel (auch ohne Vorliegen besonderer Gründe) möglich. Das reicht heute aber nicht mehr und deshalb plädiere ich für neue Auswechslungsregeln. Und auch Pep Guardiola formulierte diesen Wunsch kürzlich auf der 8. Dubai International Sports Conference.

Die meisten Verletzungsen, so zeigen Untersuchungen, ereignen sich während der letzten Viertelstunde der ersten und zweiten Halbzeit. Für mich ist das klar. Stabilisiert die überlastete Muskulatur bei plötzlichen Stopp-, Dreh- oder Beschleunigungsbewegung nicht mehr ausreichend die Bänder und Gelenke, kommt es meist zu folgeschweren Verletzungen.

Sportarten wie Handball, Basketball oder Eishockey zeigen, dass ein fliegender Wechsel und kürzere Spielintervalle dem Sport nutzen und keineswegs unattraktiver machen. Es ist Zeit im Fußball umzudenken. Sonst werden die kommende Fußball-WM in Brasilien und weitere große Turniere ohne viele der interessantesten Leistungsträger stattfinden. Ihr Marco Congia