Ganzheitliche Mobilisationstherapie

Rund um Wesen und Funktion der Faszien hat sich in jüngster Zeit ein regelrechter Hype entwickelt. Völlig zu Recht widmet man sich der Mobilisierung der Faszien mit großer Aufmerksamkeit um zu erreichen, dass Einschränkungen der Beweglichkeit oder gar Schmerzen aufgrund von verklebten oder verhärteten Faszien beseitigt werden können. Dabei besteht die Gefahr, dass die Konzentration auf die Faszien den Blick verstellt auf die anderen Komponenten des Bewegungsapparates, die oft ebenfalls einer Therapie bedürfen.

Insbesondere die komplexen Wechselwirkungen zwischen Faszien, Muskeln und Gelenken werden in herkömmlichen therapeutischen Maßnahmen oft nicht hinreichend berücksichtigt. Der hier vorgestellte Ansatz betrachtet alle bewegungsrelevanten Subsysteme des Körpers und therapiert ihr Zusammenspiel als Gesamtsystem anstatt einzelne isolierte Teilaspekte anzusprechen.

Es gibt zwei Kernaussagen, in denen sich dieses Konzept von bisherigen Therapieansätzen unterscheidet:

1.

Bewegung wird aufgefasst als funktionierendes System von interagierenden Komponenten. Es gilt nicht nur die Funktion jeder einzelnen Komponente wieder herzustellen (bzw. zu erhalten), sondern auch deren Zusammenwirken.

2.

Die Bewegung beginnt dort, wo der Patient schmerzfrei erreichbar ist. Das heißt insbesondere und ganz praktisch, dass der Patient sich nicht erst in eine horizontale Lage auf dem Boden bringen muss, die zu erreichen und wieder zu verlassen für ihn möglicherweise schmerzhaft und mit zusätzlichem Verletzungsrisiko behaftet ist.

2.

Jeder lebendige Körper besteht aus fraktalen Strukturen, welche die Evolution über Millionen von Jahren optimiert hat. Nur so können die Aufgaben des Stoffwechsels und des Bewegungsapparates mit diesem hohen Maß an Effizienz auf relativ geringem Raum bewältigt werden.

So ist zum Beispiel der Blutkreislauf mit seinem System aus Venen und Arterien eine sehr ausgedehnte fraktale Struktur, mit der sichergestellt ist, dass in fast jedem Punkt des Körpers in geringem Abstand sowohl eine Arterie als auch eine Vene anzutreffen ist (Benoit Mandelbrot 1).

Eine in den menschlichen Kreislauf intravenös injizierte Substanz ist bereits nach etwa zwei Minuten im ganzen Körper gleichverteilt. Beides wäre bei 1 Mandelbrot, B.: Die fraktale Geometrie der Natur einem technischen Bioreaktor gleichen Volumens nur mit sehr hohem Aufwand zu erreichen.

Die fraktalen Systeme unseres Körpers sind die Voraussetzung für die außergewöhnlichen Leistungen des Stoffwechsels, der alle unsere Vitalfunktionen erst ermöglicht. Die Wiederherstellung bzw. die Erhaltung der vollen Leistungsfähigkeit der fraktalen Strukturen unseres Körpers sind der zentrale Schlüssel für dauerhaftes Wohlbefinden und daher oberste Maxime für therapeutische Maßnahmen.

1 Mandelbrot, B.: Die fraktale Geometrie der Natur

Quelle: Michael Keles