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In den vergangenen Jahren hat sich der Begriff des Knochenödems, die sogenannten „Bone bruise“ oder auch als Knochenmarksödem oder Knochenprellung bezeichnete Verletzung, in der Unfallchirurgie als neue Begrifflichkeit etabliert. Knochenödeme stellen knöcherne Verletzungen dar, die mit Hilfe von Röntgenaufnahmen und Computertomografie (CT) nicht erkannt werden können. Die Verletzungen können lediglich mittels Magnetresonanztomographie (MRT) diagnostiziert werden (Rangger et al. 2006). Knochenödeme können in vier Gruppen unterschieden werden: Mechanisch induzierten Ödeme beinhalten Diagnosen wie das „Bone bruise”, trabekuläre Frakturen und Mikrofrakturen sowie die Stressfrakturen. Ischämisch bedingte Odeme sind die Osteochondrosis dissecans und die Osteonekrose. Reaktive Ödeme entstehen auf der Grundlage degenerativer oder entzündlicher Gelenkerkrankungen sowie postoperativ oder bei Weichteilaffektionen (Walther & Stäbler 2006). Ebenso finden sich im Sportbereich vorwiegend mechanisch induzierte Ödeme (Walther & Stäbler 2006).
Dabei verweisen Rangger et al. (2006) darauf, dass der Unfallmechanismus noch weitgehend ungeklärt ist. Die Autoren vermuten allerdings, dass Knochenödeme im Zusammenhang mit Rupturen des vorderen Kreuzbandes (VKB) auftreten. Denn bis zu 80 Prozent aller VKB-Rupturen weisen im MRT ein Knochenödem auf, insbesondere im lateralen Femurkondylus bzw. im posterolateralen Abschnitt der Tibia. Jedoch tritt Bone bruise auch an stabilen Kniegelenken auf. Es wird angenommen, dass der Unfallmechanismus, welcher zu einer VKB-Ruptur führt, auch die Entstehung eines Knochenödems verursachen kann. Ebenso wird darüber diskutiert, ob Knochenödeme auch durch die gleichen Unfallmechanismen wie Frakturen ausgelöst werden. Dabei bleibt jedoch ungeklärt, wann bei einem bestimmten Unfallmechanismus ein Knochenödem und wann eine komplette Fraktur entsteht. Zudem bleibt offen, wieviel kinematische Energie aufgebracht werden muss, damit ein Bone bruise entsteht (Rangger et al. 2006).
Auch wird sich im sportmedizinischen Kontext mit dem Auftreten eines Knochenödem im Os pubis kontrovers auseinandergesetzt. Es bleibt jedoch unklar, inwiefern die Bone bruise für die Schmerzen beim Sportler im vorderen Beckenring verantwortlich gemacht werden kann. Denn treten Schmerzen auf, so müssen für die Ostitis pubis verschiedene andere Krankheitsbilder in Betracht gezogen werden. Zwar kann in diesem Zusammenhang das Knochenödem im Os pubis als mechanischer Stressindikator betrachtet werden, allerdings ist das Ödem nicht zwangsläufig für die Schmerzen verantwortlich (Krüger 2012). Auch treten Ödeme häufig in den Füßen und Sprunggelenken von Sportlern auf (Walther & Stäbler 2006). Jedoch muss das Auftreten solcher Ödeme nicht notwendigerweise mit Beschwerden einhergehen. So findet sich bei bis zu 40 Prozent aller Patienten bei einem Distorsionstrauma Knochenödeme wieder und jeder Dritte in der Allgemeinbevölkerung hat entweder am Fuß oder am Sprunggelenk Knochenödeme (Ärzte Zeitung 2007). Es kann aber davon ausgegangen werden, dass keine Anhaltspunkte existieren, die auf Spätschäden bei Bone bruise hinweisen. Insbesondere isolierte Verletzungen heilen nach erfolgreicher Therapie ab (Rangger et al. 2006).
Bone bruise – auch ein Thema für den Fußballsport?
Dass Knochenödeme auch ein Thema für den Fußballsport sind, zeigt sich darin, dass in der Vergangenheit mehrere Fußballprofis aufgrund einer Bone bruise für viele Wochen ausfallen mussten. So sind Knochenödeme im Fußballsport keine Seltenheit, da nicht nur die Muskulatur und der Kapsel-Sehnen-Bandapparat hohen Belastungen ausgesetzt sind, sondern auch eine hohe Beanspruchung an den Knochen besteht (Bartl et al. 2014). Krüger (2012) stellt fest, dass bereits die Erhöhung der Trainingsintensität bei Fußballspielern ausreichen würde, um ein Knochenödem im Schambein entstehen zu lassen. Denn Ödeme im Knochen werden durch chronische Stressreaktionen hervorgerufen. Ebenso ist die häufigste Ursache von VKB-Rupturen Sportunfälle in Sportarten mit Sprüngen und plötzlichen Drehbewegungen, wie es auch beim Fußball der Fall ist (Petersen & Zantop 2009). Bartl et al. (2014) verweisen darauf, dass das Knochenödem überwiegend jüngere Sportler aus dem Bereich des Leistungssportes betrifft. Die Autoren stellen heraus, dass insbesondere Sportarten mit kurzen, intensiven Belastungsspitzen sowie Sportarten mit erhöhter Verletzungsgefahr auftreten. Daher ist Bone bruise ein wichtiges Thema auch im Bereich des Fußballsportes, welches jedoch bislang zu wenig Beachtung erhalten hat.

Behandlungsmethoden
Der Erfolg eines Fußballspielers hängt im Wesentlichen von der medizinischen Betreuung ab. Infolgedessen ist es erforderlich, Behandlungsmethoden zu entwickeln, die eine schnelle und zielgerichtete Genesung des Athleten versprechen, sodass eine schnelle Rückkehr zum Sport ermöglicht wird. In Anlehnung an die Stadieneinteilung von Krüger (2012), können Ödeme im Schambein im ersten Stadium durch eine frühzeitige therapeutische Intervention behandelt werden, sodass ein Auftreten von Schmerzen und langwierige Verläufe vermieden werden können. Ist bereits eine Schmerzempfindung vorhanden, wie es im Übergang zwischen Stadium 1 und Stadium 2 der Fall ist, so stehen konservative physiotherapeutische und medikamentöse sowie physikalische Maßnahmen im Vordergrund. Für Sportler hat sich in der Praxis ein schmerzadaptiertes aktives physiotherapeutisches Trainingsprogramm bewährt, welches zu einer Kräftigung der Adduktorenmuskulatur führt, die muskuläre Balance der das Becken übergreifenden Muskulatur wiederherstellt und das Hüftgelenk stabilisiert. Das Stadium 3 zeichnet sich durch erhebliche Schmerzen beim Athleten aus. In diesem Falle ist eine operative Stabilisierung meist unumgänglich. Häufig verbleibt als therapeutische Möglichkeit lediglich eine langwierige schmerzadaptierte konservative physiotherapeutische Behandlung, die die muskulären Mängel des Patienten berücksichtigt. Ergänzend ist eine analgetische Behandlung und einer Sportpause anzuraten. In diesem Zusammenhang ist jedoch mit einem Beschwerdezeitraum von 10 bis 12 Monaten zu rechnen.
Auch hat sich im Rahmen der operativen Möglichkeit eine sogenannte Entlastungsbohrung bewährt, bei welchem der Knochen angebohrt wird und somit eine Entlastung hervorgerufen wird. Entlastungsbohrungen bringen eine sehr schnelle Schmerzfreiheit und eine Rückbildung des Ödems. Bei konservativen Behandlungen ist der Heilungsverlauf dagegen deutlich erhöht (Vahlensieck & Reiser 2015). Das bedeutet jedoch nicht im Umkehrschluss, dass eine operative Behandlung der konservativen Therapie vorgezogen werden muss. Denn bei Entlastungsbohrungen ist die Wirksamkeit lediglich an der Hüfte belegt (Vahlensieck & Reiser 2015). Wichtig ist in erster Linie, dass so früh wie möglich eine Diagnose gestellt wird, damit optimale Heilungschancen erreicht werden. Geschieht dies nicht, so wird sich im weiteren Verlauf der Prozess der Erkrankung weiter fortschreiten und infolgedessen die Therapiemaßnahmen immer aufwändiger werden. Physiotherapeutische Maßnahmen stellen in diesem Kontext eine ideale Therapie dar, da hierbei insbesondere auf muskuläre Defizite eingegangen und präventiv vorgegangen wird.
Literaturangaben
Ärzte Zeitung (2007): Knochenmarksödeme am Fuß sind nicht immer bedenklich. URL unter: http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/skelett_und_weichteilkrankheiten/article/461015/knochenmarksoedeme-fuss-nicht-immer-bedenklich.html (Abgerufen am 22.02.2017).
Bartl, C., Elser, F., Boenisch, U. et al. (2014): Knochenmarködeme. Moderne Behandlungsmethoden im Fußball. Medicalsports network, 4, S. 20-24.
Krüger, J. (2012): Das Knochenödem im Os pubis – Vorschlag einer Stadieneinteilung unter Anwendung der MRT. SportOrthoTrauma, 28, S. 182-188.
Petersen, W., Zantop, W. (2009): Das vordere Kreuzband. Grundlagen und aktuelle Praxis der operativen Therapie. Köln: Deutscher Ärzteverlag.
Rangger, C., Goost, H., Kabir, K., Burger, C. (2006): Bone bruise. Morphologische Veränderungen und klinische Relevanz. Trauma Berufskrankh, 8, S. 178-181.
Vahlensieck, M., Reiser, M. (2015): MRT des Bewegungsapparates. 4. Auflage. Stuttgart, New York: Thieme Verlag.
Walther, M., Stäbler, A. (2006): Das Knochenödem am Fuß. Fuß & Sprunggelenk, 4 (3), S. 174-183.