In vielen Sportarten kommen Verletzungen der hinteren Oberschenkelmuskulatur, der so genannten Hamstring-Muskelgruppe, sehr häufig vor. Sie treten insbesondere im Profifußball auf und begründen somit die Notwendigkeit, sich im Speziellen mit der Sekundärprävention auseinanderzusetzen. Jedoch kann davon ausgegangen werden, dass trotz Reha-Maßnahmen diese Verletzungen nur sehr langsam heilen und zudem schnell wieder auftreten können. Dabei eröffnet sich die Frage, welche Reha-Maßnahmen in diesem Zusammenhang wohl am effektivsten sind. Aus diesem Grunde haben Wissenschaftler aus Schweden zwei verschiedene Reha-Protokolle bei männlichen und weiblichen Fußballspielern verglichen (L-Protokoll und C-Protokoll). Das L-Protokoll beinhaltet exzentrische Belastungen des Oberschenkels, während sich das C-Protokoll auf konventionelle Rehabilitationsübungen konzentriert. Jedes dieser Reha-Protokolle bestand aus drei verschiedenen Übungen. Die erste Übung zielte auf die Verbesserung der Beweglichkeit, die zweite Übung auf die kombinierte Kraftübung für Rumpf und Beckenstabilisation und die dritte Übung auf spezifische Kraftübungen. Insgesamt nahmen 77 Athleten an dieser Studie teil, bei welchen eine akute Hamstring-Verletzung durch ein MRT nachgewiesen wurde. Die Sportler wurden mithilfe eines Randomisierungsprozesses einem der beiden Protokolle zugeordnet.

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Dabei kamen die Wissenschaftler zu der Schlussfolgerung, dass die Reha-Protokolle, die aus exzentrischen Übungen bestehen (L-Protokoll), gegenüber den konventionellen Übungen (C-Protokoll) am effektivsten sind und somit eine schnelle Rückkehr des Sportlers ermöglicht wird (28 vs. 51 Tage). Für die Physiotherapie bedeutet dies, dass in Zukunft bei der Rehabilitation von Hamstring-Verletzungen der Schwerpunkt auf Übungen mit exzentrischer Muskelarbeit gelegt werden sollte. An dieser Stelle empfehlen daher die Autoren, dass die Reha-Protokolle insbesondere auf Kraft- und Flexibilitätsübungen beruhen sollten, die in erster Linie auf Übungen mit hohen Lasten und Muskelverlängerung basieren. Allerdings räumen Askling et al. (2013) auch ein, dass weitere Untersuchungen erforderlich sind, um die hohe Rezidivrate zu reduzieren und somit einen Beitrag zur Sekundärprävention zu leisten.

Literatur
Askling, C.M., Tengvar, M., Thorstensson, A. (2013). Acute hamstring injuries in Swedish elite football: a prospective randomized controlled clinical trial comparing two rehabilitation protocols. Br J Sports Med., 47(15), S. 953-959.