Unlogische Bewegungsrichtungen von Faszien
Bis zum heutigen Zeitpunkt ist das Thema „Faszien“ äußerst brisant und hat
bislang nicht an Aktualität verloren, wie zahlreiche Publikationen zeigen kö
nnen. Dabei wurden in der Forschung sehr vielfältige Ansätze verfolgt und
bisher sind Wissenschaftler davon ausgegangen, dass die
Bewegungsrichtungen der Faszien klar bestimmt sind. faszien-vergleich
In einer aktuellen Untersuchung stellt sich die Autorengruppe um Bordoni
(2017) die Frage, ob die Bewegungsvektoren der einzelnen Fibrillen von
Faszien zu bestimmen sind. Dabei geben die Autoren Aufschluss darüber, dass
keine faszialen Schichten existieren, sondern sogenannte „polyedrische
Mikrovakuolen des Bindegewebes“. Darunter können kleinste Zellorganellen
(Fibrillen) im Bindegewebe verstanden werden, die eine polyedrische Form
aufweisen. Diese Vakuolen verbinden die verschiedenen Körpersysteme und kö
nnen mehrere Funktionen, wie beispielsweise motorische, nervöse, vaskuläre
oder viszerale, übernehmen. Bestehen interne oder externe Spannungen, so kö
nnen diese Mikrovakuolen ihre Form verändern und dabei unterschiedliche
Bewegungsvarianten hervorrufen. Hierdurch werden die verschiedenen Kö
rperfunktionen geregelt und die Effizienz des Systems wird sichergestellt.
In diesem Zusammenhang ist jedoch die funktionale Plastizität nicht geordnet,
sodass kein Aufschluss darüber gegeben werden kann, welche
Bewegungsvektoren die einzelnen Fibrillen einnehmen. Die Autoren gehen
davon aus, dass aufgrund dieser Strategie dem faszialen Konstrukt eine
maximale Anpassungsfähigkeit verliehen wird, was ihm erlaubt, auf interne und
externe Veränderungen an den Bedingungen der Zelle zu reagieren. Darüber
hinaus weisen diese Erkenntnisse darauf hin, dass keine logische
Schlussfolgerung zu den Bewegungsrichtungen gezogen werden kann und
infolgedessen diese nicht vorgegebene Logik die Individualität der Faszien
bewahrt. In der physiotherapeutischen Praxis besteht daher die Notwendigkeit,
diese Aspekte in der manipulativen Therapie von Faszien zu berücksichtigen.
Bordoni et al. (2017): The indeterminable resilience of the fascial system. Journal of Integrative Medicine, 15 (5), S. 337-343.