Gezieltes Krafttraining und ein optimalerVO2 Wert für Top-Fußballer

Kurze Sprints, schnelle Antritte, abrupte Stopps, Sprünge, Richtungsänderungen, usw. – Fußball ist
gekennzeichnet durch ein vielseitiges Aktivitätsprofil. Ein gezieltes Training und ein optimaler VO2
Wert, der regelmäßig überwacht wird, sind Voraussetzungen für einen Top-Fußballer.
Die physiologischen Anforderungen an den Sportler sind komplex und die Methoden der zuverlä
ssigen Datenerhebung schwierig. Um die Sauerstoffaufnahme während eines Fußballspiels zu
ermitteln ist eine Herzfrequenz-Messung bisher der einzige Parameter zur physiologischen
Beanspruchung der Spieler. Aus ihr wird indirekt über eine Hf-VO2-Regressionsgleichung der Wert
der Sauerstoffaufnahme ermittelt. Untersuchungen und Tests haben nun ergeben, dass die Messung
des VO2 ohne Einschränkungen im laufenden Spiel durchgeführt werden kann. Sie erfolgt mittels
portabler Spirometrie. Eine Abschätzung der durchschnittlichen VO2 bei bekannten HF-VO2-
Regressionsgeraden ist so ebenfalls möglich. Schwierigkeiten in der Datenerhebung können durch
das laufende Spiel auftreten und sollten einkalkuliert werden.

Screenshot_20180201-224121
Der maximale VO2 Wert ist ein wichtiger Parameter für den Fußballer. VO2 max. bezeichnet die
relative, maximale Sauerstoffaufnahme (VO2 max.; in ml O2/min/kg. Körpermasse). Damit lässt sich
die Ausdauerleistung eines Menschen bewerten. Der Wert gibt an, wie viele Milliliter Sauerstoff der
Körper maximal pro Minute verwerten kann. Der optimale VO2 Wert für Fußballer ist 65 ml/kg/min.
Doch garantiert ein optimaler VO2 Wert nicht automatisch eine sportliche Höchstleistung. Für die
Maximalkraft des Fußballers werden weitere Parameter einbezogen. Gelingt durch gezieltes
Krafttraining eine Steigerung des max. VO2 Wertes, steigen Aktivitäten wie die gelaufene
Gesamtdistanz, die Sprintanzahl und Ballkontakte.
Mit der maximalen, schweren Kniebeuge verbessert sich der gemessene Wert. Trainiert man
Kniebeugen in Intervallen, steigt der VO2 Wert deutlich an. Ein Fußballspieler kann, je nach Position
und Fitness, 17 – 81 Sprints pro Spiel ausführen. Oft sorgen intensive Kurzsprints für entscheidende
Momente im Spiel. Physiologische Parameter wie die Sprintfähigkeit und die Sprunghöhe nehmen zu,
gleichzeitig sinkt das Verletzungsrisiko. Wenn Fußballer neben anderen Trainingsinhalten schwere
Kniebeugen absolvieren, springen sie höher und sprinten weiter. Die Sprintzeiten stehen in einem
engen Zusammenhang mit den Gewichten, die ein Sportler in der Kniebeuge bewegen kann. Je mehr
bei einer Wiederholung in der Kniebeuge bewegt wird, desto schneller kann der Fußballer sprinten,
springen und die Richtung Wechseln.
Die maximale Kraft bei Kniebeugen, die Sprintleistung und die Sprunghöhe stehen in direkter
Korrelation. Starke Kniebeugen bedeuten schnellere Spieler. Die Stärke der Kniebeugen bestimmt
die Leistung im Sprint und Sprung bei Fußballern. Eine hohe Kniebeugenstärke unterscheidet die Top-
Spieler von den Amateurspielern, der maximale Sauerstoffverbrauch verringert sich dadurch nicht.
Wie lange gedacht, macht Krafttraining also nicht langsam. Schnelligkeit im Sprint lässt sich nicht
durch Core Training oder Functional Training, sondern mit gezieltem Krafttraining erreichen.
Quelle:
Strong correlation of maximal squat strength with sprint performance and vertical jump height in
Br J Sorts Med 2004/06 U.Wisloff, C.Castagna, J.Helgegrund, R.Jones and J.Hoff

Reduzierung der thorakolumbalen faszialen Scherbeanspruchung bei chronischen Rückenschmerzen

Bislang wurde die Rolle der thorakolumbalen Faszien bei chronischen Rückenschmerzen in der Wissenschaft und Praxis nur wenig berücksichtigt. Die thorakolumbalen Faszien (im Bereich von Brustwirbelsäule und Lendenwirbelsäule) bestehen aus dichten Bindegewebsschichten, die durch mehrere Lagen von lockerem Bindegewebe getrennt sind. Dies ermöglicht, dass die Schichten während der Rumpfbewegung aneinander vorbeigleiten können.

thoracolumbar-fascia-m
In einer Studie untersuchten die Autoren um Langevin (2011), wie die Scherflächen-Bewegungen innerhalb der thorakolumbalen Faszien bei Probanden mit und ohne chronischen Rückenschmerzen verlaufen. Hierzu wurden 121 Teilnehmer mit Hilfe eines Ultraschallgerätes in einem Zeitraum von mehr als 12 Monaten untersucht. Ultraschallaufnahmen wurden sowohl von der rechten als auch von der linken Seite des Rückens während einer passiven Rumpfbeugung erstellt. Mit Hilfe der Aufnahmen konnte die Gewebeverdrängung innerhalb der thorakolumbalen Faszien berechnet werden und die Scherverformung wurde aus diesen Daten abgeleitet. Zusätzlich zu dieser Vorgehensweise wurden Daten zu Beweglichkeit und körperlicher Leistung erhoben sowie die perimuskuläre Bindegewebsdicke bestimmt.
Die Ergebnisse dieser Untersuchung konnten zeigen, dass die thorakolumbale Scherbelastung bei Probanden mit chronischen Rückenschmerzen um rund 20 Prozent geringer war. Diese verminderte Bewegung der Scherebene kann auf ein abnormales Muster der Rumpfbewegung und/oder auf eine Bindegewebspathologie zurückgeführt werden. Darüber hinaus scheinen auch geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Scherbeanspruchung zu existieren. Die fasziale Scherbeanspruchung war bei Männern insgesamt geringer und es konnten signifikante Korrelationen mit der Rumpfflexibilität und Bindegewebsstruktur gemessen werden. Dieser Beitrag konnte zeigen, dass die Thematik von Faszien und chronischen Schmerzen für die physiotherapeutische Praxis von hoher Relevanz ist, obwohl in Zukunft weitere Studien vonnöten sein werden, um genauere Erkenntnisse extrahieren zu können.

Literatur:
Langevin, H.M. (2011): Reduced thoracolumbar fascia shear strain in human chronic low back pain, in: BMC Musculoskeletal Disorders, 12, S. 203.